Alle Jahre wieder …

… stellen wir uns die Frage „was soll ich bloß meinem Liebsten, meiner Mama, meinem Patenkind, meiner Großtante Hilde zu Weihnachten schenken“? Eine Ausnahme sind die Mutigen, Freien, Nonkonformen unter uns: Sie schenken nichts. Für einen Bruchteil der Menschen im Land der Weihnachtsseligkeit und Melancholie sicher des Rätsels ultimative Lösung, für die meisten aber nicht.

Und so zermartern wir uns alle Jahre wieder die Köpfe nach dem passenden Geschenk für unsere Lieben, ja sogar für die weniger geliebten Anverwandten investieren wir eine gehörige Portion Gerhirnschmalz, Zeit und Geld. Nicht zu teuer und nicht zu billig, nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu kreativ („so etwas habe ich ja noch nie gesehen“) und nicht zu langweilig („das ist aber nett, das kann ich gut gebrauchen“) soll es sein. Und das Wichtigste von allem: Es soll dem Beschenkten zeigen, dass wir uns jede Menge Mühe gegeben habe, für ihn persönlich genau das Richtige zu finden. Sofort nach dem Öffnen des Präsents sollte der Schenkende im Idealfall freudige Überraschung auf dem Gesicht des Beschenkten aufblitzen sehen. Ich als Beschenkte bin mir dieser Erwartung jedenfalls sehr bewusst: Wie oft habe ich mich schon dabei ertappt, mir beim Öffnen eines Päckchens angesichts eines erwartungsvollen Blickes mühsam ein Lächeln abgequält und gesagt zu haben: Vielen Dank, das ist ja witzig, prima, schön oder so ähnlich.

Aber wieso fällt es oft so schwer, mit dem Weihnachtsgeschenk zufrieden zu sein oder in unseren Augen „das Richtige“ zu finden? Sind wir zu kompliziert, zu übersättigt, haben wir zu hohe Ansprüche an Geschenke? Meine Antwort ist ganz klar: Ja! Ich denke, zumindest alle Jahre wieder sollten wir uns in Erinnerung rufen, was ein Geschenk eigentlich sein sollte: Wir übergeben einem uns nahe stehenden Menschen freiwillig, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, eine Sache oder ein immaterielles Gut wie Aufmerksamkeit oder Zeit. Unrealistisch? Vielleicht. Aber ab und zu mal nachzudenken hat auch dem ärgsten Weihnachtsmuffel noch nie geschadet.

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Facebook, das neue Zuhause?

„Wir wollten Timeline zu einem Ort machen, bei dem ihr stolz seid, ihn euer Zuhause zu nennen.“ Das erklärte Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der Entwickler-Konferenz f8 („fate“ wie Schicksal oder auch Verhängnis), als er die komplett überarbeitete Webseite am eigenen Beispiel präsentierte.

Timeline ersetzt die bisherige Pinnwand und soll die Lebensgeschichte eines jeden Facebook-Nutzers auf nur einer Seite, quasi als interaktiven Lebenslauf, zeigen. Hinzu kommt die neue Tickerfunktion: Hier laufen die Aktivitäten der Nutzer als Live-Stream automatisch bei den Freunden ein, wenn sie die passende App haben. Alle Einträge wie zum Beispiel Musikstücke und Videos werden im Großformat dargestellt, niemand muss mehr die Seite verlassen, um sie zu nutzen. Wenn viele Freunde einen Musiktitel oft genug angehört haben, wandert er vom Ticker in die Timeline und wird dort Teil ihres Lebens, jederzeit abrufbar und für immer gespeichert. Wo man geht und steht, die Facebook-Freunde sind immer dabei: So können sie sich über ihre Smartphones mit dem passenden Funkdienst zum Beispiel beim Joggen oder Shoppen virtuell begleiten und ihre Aktionen kommentieren. Wer weiß, vielleicht kommt es ja sogar hin und wieder zu einem Treffen im realen Leben wenn man jederzeit weiß, wo die Freunde sind? Aber das nur nebenbei.

Eine wahrhaft geniale Entwicklung: Während alle Forscher der Welt noch darüber brüten, wie Maschinen die Inhalte des Web verstehen können, lässt Mark Zuckerberg seine Nutzer maschinenlesbare Daten schreiben, und das gratis frei Haus. Timeline setzt die Science Fiction-Vision einer vollständigen, fortlaufenden Kopie des realen Lebens in die virtuelle Welt einfach und schnell bedienbar um. Wer so real und lebendig auf Facebook lebt und viel Zeit und Herzblut in die Gestaltung seiner Timeline gelegt hat, wird Facebook wohl nicht so schnell wieder den Rücken kehren.

Mehr als 800 Millionen Menschen sind weltweit in diesem Netzwerk aktiv und davon mehr als 20 Millionen in Deutschland. Sie verbringen dort schon jetzt 15 Prozent ihrer Online-Zeit, mehr als irgendwo anders im Web. Da die Grenzen des Zulaufs irgendwann erreicht sein könnten, auch durch Konkurrenten wie Google+, lässt Facebook seine Nutzer nun mehr Daten liefern anstatt auf eine Steigerung der Userzahlen zu setzen. Facebook schafft das perfekte Werbesystem – denn was könnte die Dienstleister der Welt mehr erfreuen, als alle relevanten Informationen auf einem einzigen Portal zu finden? Sollte Mark Zuckerbergs Plan aufgehen und Facebook der virtuelle „Place to be“ werden, geht für werbende Unternehmen künftig kein Weg mehr daran vorbei.

Ich bin gespannt, ob Mark Zuckerbergs Plan aufgeht. Mal sehen, wie viele sich zum gläsernen User machen und als gratis Nonstop-Datenlieferant für Facebook fungieren möchten. Ob und wie viele Daten man liefern und im Gegenzug sozusagen als Empfehlungen von Facebook-Freunden erhalten möchte, das muss man sich als Facebook-Nutzer nun einmal mehr fragen. Wichtig ist nur, dass man es hinterfragt. Ich jedenfalls frage mich, was an einem permanenten, parallelen Leben im Netz so sexy sein soll. Aber wahrscheinlich gehöre ich in Sachen Web 2.0 zur Dinosaurier-Generation. Und gar im Netz zuhause sein? Für mich eine irritierende und traurige Vorstellung. Doch es bleibt noch ein wenig Zeit und somit spannend – vorerst können deutsche Facebook-User die meisten Dienste aus lizenzrechtlichen Gründen ohnehin noch nicht nutzen.

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Mit dem E-Book in die Badewanne?

Mal ganz ehrlich – wer würde schon ein E-Book mit ins entspannende Wannenbad nehmen? Oder an den Strand? Wer würde es einem Freund leihen oder schenken? Wer stapelweise auf den Tisch legen, bei Kerzenschein darin schmökern, mit Lesezeichen oder Eselsohren versehen? Und wer würde es ins Bücherregal stellen?

Niemand? Richtig. Ein E-Book ist kein Buch im herkömmlichen Sinne, sondern ein moderner Gebrauchsgegenstand. Es schenkt dem Leser keine sinnlichen Erfahrungen durch Umblättern der Seiten, Druckerschwärze oder einen ganz speziellen, alten und vielleicht etwas modrigen Geruch. Es ist nicht Ausdruck von Lebensqualität und Kultur. Und Genuss natürlich. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Kann sein, vielleicht bin ich in Bezug auf Bücher etwas altmodisch. Um mir vorstellen zu können, dass in gar nicht allzu ferner Zeit ein elektronisches Gerät den Buchdruck ersetzen könnte, liebe ich das geschriebene und gedruckte Wort auf dem guten, alten Papier viel zu sehr. Damit bin ich aufgewachsen – Bücher haben mich amüsiert, fasziniert, irritiert; sie haben mir Trost gespendet oder Wissen vermittelt. Bücher gehören zu meinem Leben wie die tägliche Dusche oder ein gutes Essen.

Mit der erstmaligen Verleihung eines deutschen E-Book-Preises ist die Frankfurter Buchmesse 2011 ein Stück weit auf dem Weg zur IT-Messe, wenn auch anscheinend etwas widerwillig: „Die Buchmesse hat keine andere Wahl als auf veränderte Gewohnheiten zu reagieren“, stellte Buchmesse-Direktor Jürgen Boos bei der Eröffnung fest. Der mit dem Deutschen Buchpreis gekürte Roman Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist dieses Jahr erstmals elektronisch lieferbar. Dem E-Book wird der Durchbruch vorhergesagt – zumindest Thalia-Chef Michael Busch geht davon aus, dass durch das Weihnachtsgeschäft der ultimative Schub entstehen und sich der E-Book-Marktanteil von aktuell weniger als zwei Prozent in den nächsten zwei Jahren Richtung zehn Prozent bewegen wird. Eine Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels rechnet etwas verhaltener mit etwa fünf Jahren für zehn Prozent Verbreitung.

Diese Zahlen sind vom Verschwinden des herkömmlichen Buches meilenweit entfernt. Wie beruhigend, meine Kuschelecke behalte ich also voraussichtlich so lange ich lesen kann. Tatsache ist, dass mehr als die Hälfte der Deutschen noch nicht einmal einen blassen Schimmer davon hat, was ein E-Book ist – das ergab eine Untersuchung des Beratungshauses PricewaterhouseCoopers. In anderen Ländern ist die elektronische Lektüre wesentlich populärer: In den USA zum Beispiel wurden 2010 bereits 14 Prozent der Bücher in elektronischer Form verkauft, ähnlich sieht es in Großbritannien aus und in Spanien sind es immerhin zwölf Prozent. Sind die Leser dieser Länder moderner als die Deutschen? Oder haben sie nur das bessere Angebot zum Beispiel an E-Readern und in Deutschland sähe die Marktsituation bei einem vergleichbaren Angebot ähnlich aus? Fest steht, dass mehr als 50 Prozent der E-Books aktuell Fachbücher sind, Belletristik macht lediglich zehn Prozent aus. Auch das könnte ein Grund für die bisher verhaltene Nachfrage der deutschen Leser sein.

Fakt ist aber ebenso, dass der „Wohlfühlfaktor“ beim Lesen eine ganz entscheidende Rolle spielt, was unter anderen eine Studie der Uni Mainz zum Thema Leseverhalten belegt. Somit stehe ich nicht allein auf weiter Flur mit meiner Meinung als antiquierter Bücherwurm, auch das ist beruhigend. Wie auch immer, ich werde unsere lieben Bücher sprichwörtlich im Auge behalten – und in der Zwischenzeit in meiner Kuschelecke ein gutes Buch genießen.

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Machu Picchu – wo die Sonne gefesselt wurde

Machu Picchu ist ein Ort der vielen Gesichter: Magische Kultstätte der Inkas, größte Touristenattraktion Perus und bedeutender Wirtschaftsfaktor. Im Juli beging Machu Picchu seinen 100. Geburtstag. Jährlich bevölkern hunderttausende Besucher die alten Mauern und hinterlassen ihre Spuren. Doch das Land ist auf Massentourismus angewiesen und will noch mehr Besucher täglich zulassen.

Das Inkareich mit Huayna Picchu

Langsam lichten sich die Wolken um den 2.700 Meter hohen Huayna Picchu. Wir sind müde, aber glücklich und stehen andächtig da und staunen. Immer wieder schießen wir begeistert ein neues Foto, denn nun ändert sich das Bild in Sekundenschnelle. Endlich bricht die Sonne durch die Wolken und gibt den Blick frei auf die bezaubernde Inkastadt mitten im Urwald. Der Ort, an dem die Sonne gefesselt wurde. Machu Picchu ist erwacht.

Bis heute bleibt rätselhaft, warum die Inkas 1450 das heutige Wahrzeichen Perus erbauten. Einst könnte sie dem Inkaherrscher Pachacútec als Winterresidenz gedient haben. Dass die Stadt ein Zentrum der Astronomie und Sterndeutung gewesen sei, behaupten andere. Auf ihre Bedeutung als astronomische Kultstätte deuten Zeitzeugen aus Stein wie der besagte Intihuatana hin. Intihuatana: Der „Ort, an dem die Sonne gefesselt ist.“ Intihuatana spielte eine wichtige Rolle im Glauben der Inkas und wurde in Ritualen genutzt, die am kürzesten Tag des Jahres (Wintersonnenwende) die Sonne festhalten sollten. Klar ist, dass das Andenvolk Landwirtschaft anhand eines ausgeklügelten Bewässerungssystems betrieb, das theoretisch noch heute nutzbar ist. Schleierhaft bleibt bis heute, warum die Inkas ihre Stadt nach nur rund hundert Jahren wieder verließen.

Unsere Chakanas tanken Sonne

Ihr Geheimnis hütete sie sogar vor den spanischen Eroberern. Der US-amerikanische Entdecker Hiram Bingham war der Erste, der die Perle der Inkas am 24. Juli 1911 wieder der Welt offenbarte. Mittlerweile ist er jedoch umstritten, denn offensichtlich verschaffte er sich lediglich durch kluges Marketing Ruhm und Ehre. Diverse Artefakte wie Mumien oder Schmuck verbrachte er unrechtmäßig in die USA, erst kürzlich gab die Yale-Universität einige davon zurück. Entdeckt hatte Machu Picchu eigentlich Augustín Lizárraga, ein einheimischer Landwirt – der hatte zwar zu Lebzeiten nicht die nötigen Mittel, um seinen außergewöhnlichen Fund publik zu machen. Wenigstens posthum wurde ihm nun mit einer Biografie Aufmerksamkeit gezollt. Beim Fest zu Ehren des 100. Jahrestages von Machu Picchu wurde Lizárraga als der wahre Entdecker gefeiert.

Als „Synthese des Peruanischen“ bezeichnete Präsident Alan Garcia die alte Inkahochburg im Rahmen der Feierlichkeiten. Eine Synthese, die angesichts des Massentourismus der letzten Jahre zu zerfallen droht. Ob im Minutentakt per Bus von Aguas Calientes oder per pedes auf dem Inka-Trail direkt durch das Sonnentor – täglich entern bis zu 2.500 Besucher die Ruinenstadt. Mehrere Monate im Voraus muss man buchen, um einen „Slot“ für die von hunderten Agenturen weltweit angebotene Wanderung zu bekommen. Seit 1983 ist Machu Picchu Weltkultur- und Weltnaturerbe der Unesco. Diese sieht die Entwicklung mit Sorge und plädiert für eine Zugangsbeschränkung von 800 Personen täglich. Doch das interessierte die peruanische Regierung bislang wenig. Eine Studie soll beweisen, dass die Inkastadt täglich bis zu 5.479 Besucher problemlos verkraften kann.

Es ist verständlich, dass Peru auf seine Haupteinnahmequelle im Tourismussektor – 20 Millionen Euro jährlich oder 90 Prozent der Einnahmen – nicht verzichten will und kann. Doch das Land muss intelligenter wirtschaften lernen und so zum Beispiel auch andere antike Stätten für den Tourismus erschließen. In der Umgebung gebe es rund 120 wichtige Inkastätten, die man nur erschließen müsse, so David Ugarte, künftiger Direktor des nationalen Kulturinstitutes von Cusco. Momentan ist unklar, wohin die Gelder fließen.

Leider ist Intransparenz und Korruption in Peru noch immer weit verbreitet. Vielleicht bessert sich die Situation unter der neuen Regierung von Ollanta Humala – zumindest die Hoffnung besteht, denn die stirbt bekanntlich zuletzt. Noch scheint Machu Picchu ungerührt mit seiner mystischen Schönheit den Besucher zu verzaubern. Wir werden es als einzigartiges Erlebnis und absoluten Höhepunkt unserer Perureise in Erinnerung behalten. Ich wünsche mir, dass es Machu Picchu-Besuchern noch in hunderten Jahren ebenso ergeht.

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Burnout – nichts geht mehr

Es kann jeden treffen: Den Arbeitslosen, Altenpfleger, Kfz-Mechaniker, Lehrer, Spitzensportler oder Manager – Diagnose Burnout, nichts geht mehr. In einer ständig beschleunigenden, entgrenzten Welt verschwimmen auch die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit. Keine Hürde zu hoch, keine Aufgabe zu schwierig, die Zeit nie zu knapp, wenn’s nicht passt wird’s eben passend gemacht.

Ein fataler Fehler. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Experten schätzen die Zahl der Burnout-Patienten in Deutschland auf zehn bis 15 Millionen. Laut einer AOK-Untersuchung wurde 2010 jeder zehnte Fehltag mit akuter Erschöpfung und Depression begründet – im Vergleich zu 1999 ein Anstieg um 80 Prozent. Die Dunkelziffer ist hoch: Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact ergab, dass 40 Prozent der befragten Burnout-Opfer weder mit Kollegen noch mit Vorgesetzten über ihr Leiden gesprochen haben.

Doch was genau versteht man unter Burnout?

Der Begriff wird heute oft als Schlagwort benutzt – viele wissen nicht, was sich dahinter verbirgt. „Was, der hat Burnout?“, tuscheln die Kollegen. „Das hätte ich nie gedacht, das war doch der totale Überflieger und immer gut drauf“. Klar ist nur, dass es sich um ein Monstrum von diffusem Krankheitsbild handelt, mit dem keiner etwas zu tun haben möchte.

Diffus ist richtig: Bornout ist keine Krankheit, die anhand von Symptomen eindeutig diagnostiziert werden kann. Vielmehr bezeichnet das Syndrom „einen vollständigen und für die Betroffenen zunächst unerklärlichen Motivationsverlust. Dieses “Ausbrennen” geschieht nicht schlagartig, sondern geht schleichend voran“, so das Stangl-Lexikon. „Zentrale Faktoren bei der Entstehung von Burnout sind oft mit großem Ehrgeiz verfolgte Ziele und Bedürfnisse, die nicht oder nur mit großen Opfern erreicht werden können. Daraus können dann bei Nichterreichen der Ziele Verzweiflungsgefühle und bei Erreichen Erschöpfungszustände resultieren. Das Endstadium des Burnout – “Meltdown” – ist durch chronische Hilflosigkeitsgefühle und Suizidgedanken geprägt.“

Und warum brennen Menschen aus?

Eine Ursache ist also offenbar der eigene, übergroße Ehrgeiz. Man stelle sich einen Uni-Absolventen vor, der in einer großen Unternehmensberatung seine Berufslaufbahn beginnt. Er arbeitet dort regelmäßig bis spät abends, läuft jeden Tag auf 120 Prozent und will es zudem jedem recht machen. Burnout mit dreißig? In diesem Fall sehr wahrscheinlich. Ein klassisches Beispiel, das jedoch häufig zu kurz greift.

Unternehmenskultur, wirtschaftliche Entwicklung allgemein und die Gesellschaft in Zeiten von Web 2.0 sind weitere Einflussfaktoren.
Zur Unternehmenskultur zählt als allererstes der Chef, denn Führungskräfte leben Kultur vor. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen sagt: „Zu den größten Stressfaktoren im Beruf zählen die Unsicherheit über die eigene Position im Unternehmen, der Mangel an Vertrauen zwischen Chefs und Untergebenen, permanente Überforderung durch unrealistische Vorgaben oder sinnfreie Aufgaben.” Studien belegen, dass Vorgesetzte ihren Krankenstand mitnehmen.

Der Chef ist in Sachen Unternehmenskultur und also auch in Sachen Burnout eine Schlüsselfigur, man kann das nicht oft genug betonen. Er muss seine Mitarbeiter gut kennen und stets mit ihnen im Gespräch bleiben. So wird er bemerken, wann jemand im negativen Sinne seine Grenzen überschreitet. Das ist im Interesse des Unternehmens – es will engagierte Mitarbeiter halten. Doch zuallererst ist es ein Gebot der Menschlichkeit, die in zivilisierten Kulturen nie verloren gehen darf. Diese Ethik muss im Top Management verankert sein, sonst läuft das mittlere Management gegen Wände und kann nichts für die Mitarbeiter tun. Unternehmen sind in der Pflicht, passende Führungskräfte zu finden und sie für ihre Aufgaben zu schulen.

Natürlich müssen Unternehmen volkswirtschaftlichen Faktoren wie steigender Konkurrenz durch Globalisierung und dem Vormarsch der Schwellenländer Rechnung tragen – schließlich möchten sie im Wettbewerb überleben. Doch bis zu welchem Grad und wie sie das tun, bleibt ihre Entscheidung. Wollen sie das Unmögliche erreichen und das auch noch aus eigener Kraft? Oder sind sie für externe Beratung offen und lassen sich beim Finden intelligenter Lösungen helfen? Sind sie offen für Neues und innovativ genug, zukunftsfähige Geschäftsfelder zu erschließen? Und last but not least: Stellen sie qualifizierte Mitarbeiter ein, fördern sie, behandeln sie menschlich und binden sie somit an das Unternehmen?

In der Social Media-Gesellschaft brechen reale, soziale Netzwerke oft auseinander. Virtuelle Gemeinschaften können den Rückhalt realer Beziehungen nicht ersetzen.
Wer permanent arbeitet, hat immer weniger Zeit für Partner, Freunde und Familie. Irgendwann wird das soziale Netz immer dünner. Menschen sitzen nach dem gar nicht ersehnten Feierabend vor dem PC und chatten mit virtuellen Freunden. Doch hat man schon einmal jemanden mit einem virtuellen Freund über Probleme sprechen sehen? Wohl kaum. Umgekehrt gilt, dass Menschen mit dünnen sozialen Netzen ihre Erfüllung in der Arbeit suchen. Ein Teufelskreis, den man rechtzeitig erkennen und durchbrechen muss oder am besten gar nicht erst kennen lernen sollte.

Grenzen ziehen hilft bei Individuen genauso wie bei Organisationen und Unternehmen. Nicht den Bezug zur Realität zu verlieren ebenso – nicht jeder hat eben das Zeug zum Superstar. Jeder ist zuallererst verantwortlich für sich selbst und sollte sich dessen stets bewusst sein. Wer nur noch beruflich und privat vor dem Fernseher und Internet sitzt, wird bald Gesundheit und Kreativität und das Gefühl für sich selbst einbüßen. „Wir erleben eine Entsinnlichung und müssen zurück zur Achtsamkeit“ – da gebe ich Björn Engholm Recht.

Wie können Sie typische Stressfallen vermeiden? Ein paar ganz simple Tipps.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wie soll das Kind denn heißen?

Wer kennt das nicht von Freunden, Bekannten oder sich selbst – steht die Geburt eines Kindes an, stellt sich als erstes die Frage nach dem Namen. Auch Unternehmensgründer haben die Qual der Wahl. Hier hat eine unglückliche Namensfindung allerdings ungleich größere Auswirkungen: Anstatt „nur“ Imageschäden durch Hänseln auf dem Schulhof kann sie eine schwächere Wettbewerbsposition und hohe Kosten bei einer Änderung nach sich ziehen.

Kurz, klangvoll, international

Dem Kind den richtigen Namen zu geben ist also entscheidend. Ist er doch nicht nur verantwortlich für das Image, sondern entscheidet im Zweifel auch über die Gunst von Investoren. Der Mainzer Sprachwissenschaftler Fabian Fahlbusch hat in einer Untersuchung folgendes festgestellt: Potenzielle Kunden haben immer einige wenige Favoriten, wenn sie nur den Unternehmensnamen kennen und eine Investitionsentscheidung treffen sollen.

Doch wie sehen erfolgreiche Namen aus?

Heute sind Firmenbezeichnungen generell kürzer, klangvoller und internationaler. Um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben, verstoßen sie immer öfter gegen grammatikalische Regeln und haben ein ausgefallenes Schriftbild. Auch sollte die Bezeichnung so wenig konkret wie möglich, aber dennoch assoziativ sein. Die bayerischen Motorenwerke BMW bauen heute auch mehr als nur Motoren – sogar ganze Autos bekommen sie hin. Eine weniger beschreibende Firmierung ist in jedem Fall sinnvoll, wenn ein Unternehmen sein Geschäft weiterentwickeln oder gar fusionieren oder einzelne Bereiche verkaufen will. Namen müssen so vieles leisten ─ last but not least Vertrauen wecken und Emotionen transportieren.

Der Trend ─ Fantasienamen

Die Richtung ist klar: Gründer vergeben immer mehr Fantasienamen – diese machen laut Fahlbusch fast 80 Prozent aus. Viele Bezeichnungen wie zum Beispiel Symrise, Arcandor oder Avanzo klingen irgendwie nach Esperanto oder Denglisch. Grund ist auch die Globalisierung – was will ein nach Brasilien expandierendes Unternehmen dort mit dem Namen Haarmanns Vanillinfabrik anfangen? Nichts, richtig. Deshalb heißt es seit geraumer Zeit Symrise. Auch der Namensexperte Manfred Gotta rät Gründern zu Fantasiebegriffen, die gut mit dem Produkt assoziierbar sind. Denn sie lassen sich besser schützen, sind auffallender und international einsetzbar. In Zeiten des schnellen Wandels lassen sie genügend Raum für Veränderungen jeglicher Art. Beispiele für gelungene Namen sind Puma (symbolisiert Schnelligkeit und Kraft wie ein erfolgreicher Sportler) oder Yahoo (klingt wie „juhu“, wenn man gute Suchtreffer gefunden hat).

Beschreibende Firmierungen hingegen wie Duschdas oder Kalkfrei verschwinden immer mehr. Sie sind der modernen Welt zu statisch geworden. Sicher ist es ein Vorteil, dass der Firmenname schnell und einfach eine Vorstellung vom Angebot vermittelt. Schnell ist heute vieles … doch einfach? Eher einfach nur komplex wie vieles ─ Fantasie haben und kreativ sein heißt deshalb die Devise.

Was bedeutet eigentlich AltaVista oder IKEA? Hier finden Sie eine Liste von Unternehmensnamen und ihren Bedeutungen.

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Verona – Opernstadt und kulinarische Wunderkiste

Dass man in Verona in die Oper geht, weiss jeder. Dass man in Verona Pferd isst, sicher nicht. In Frankreich und auch im Rheinland – mit seinem Sauerbraten traditionell aus Pferdefleisch gefertigt – ist diese Fleischsorte noch immer recht verbreitet, aber in Italien? Im Land der schönen Künste und “Bella Figura”?

Pastissada de caval

Ja, ich erzähle hier nicht nur einen vom Pferd. Letztes Wochenende in Verona entdeckten wir Pastissada de caval, eine kulinarische Spezialität vom Reittier. Und die entstand wohl so: Der Legende zufolge soll der Gotenkönig Theodorich nach seinem Sieg über Odoaker angeordnet haben, sämtliche Pferde des Feindes auf dem Schlachtfeld zu töten. Die Bevölkerung von Verona sah sich plötzlich einer gewaltigen Menge Pferdefleisch gegenüber, die sofort verarbeitet werden mußte. So ersann man die Pastissada, die heute noch gerne gegessen wird. Zugegeben, eine etwas bizarre, wenn auch durchaus einleuchtende Geschichte.

Pastissada de cavallo

Leider bin ich gegenüber solchen ausgefallenen, kulinarischen Gaumenfreuden nicht besonders aufgeschlossen und habe deshalb die Pastissada nicht probiert. Fahren sie also selbst nach Verona – wenn schon nicht für’s Pferd, dann wenigstens für die Oper. Oder fragen Sie meinen Lebenspartner – geboren in Düsseldorf und mit rheinischem Sauerbraten der traditionellen Art gut vetraut, ist er stets auch für andere, etwas bizarre Spezialitäten offen. Aufgrund der großen Hitze stand ihm jedoch der Sinn nicht so sehr nach Gulasch, so dass er sich für die Light-Version entschied: Gefüllte Tortelloni in einer Sauce aus Fransen vom Pferd. Zugegeben, selbst für mich sehr lecker.

Doch nun zur Opernstadt

Die Nabucco-Aufführung in der berühmten Arena war trotz einiger Widrigkeiten ein absoluter Traum:

Nabucco in Verona

Den Gefangenenchor – sogar plus Zugabe – an diesem zauberhaften Ort zu genießen, war ein unvergessliches Erlebnis. Dass wir in der nahezu ausverkauften Arena (22.000 Zuschauer passen hinein) auf den alten Steinstufen gequetscht wie die Ölsardinen saßen, bei nahezu 30 Grad um Mitternacht im eigenen Saft standen und das Hinterteil auf dem dünnen Schaumstoffkisschen langsam aber sicher immer mehr schmerzte konnte uns nicht davon abhalten, das Spektakel in vollen Zügen auszukosten.

Unser absolutes Lieblings-Urlaubsland war einmal mehr eine Reise wert und überrascht uns immer wieder auf’s Neue.

 

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